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Vorbeugung und Behandlung von Wadenkrämpfen
Wadenkrämpfe sind in der Bevölkerung weit verbreitete, aber glücklicherweise meist harmlose Beschwerden. Etwa jede dritte Person ist davon betroffen, bei Betagten betrifft dies sogar jede zweite Person. Lästig sind Wadenkrämpfe insbesondere, da sie häufig nachts auftreten und damit den Schlaf stören können. Bei bestimmten Krankheitsbildern können Wadenkrämpfe als Begleiterscheinungen neben anderen Symptomen auftreten. Von den «gewöhnlichen» Wadenkrämpfen können sich die venös bedingten Beschwerden durch Beinschwellungen und Schmerzverstärkung beim langen Stehen, die durch arterielle Durchblutungsstörungen bedingten Wadenkrämpfe durch das typische Auftreten während des Gehens oder das Restless-legs-Syndrom («Syndrom der unruhigen Beine») durch eine Zappligkeit in den Beinen abgrenzen lassen. Es gibt viele andere Erkrankungen, bei denen Wadenkrämpfe als Begleiterscheinung auftreten können. Diese Krankheiten sind dem Betroffenen im allgemeinen schon seit längerem bekannt. Aus diesem Grunde ist es nicht erforderlich, beim Neuauftreten von Wadenkrämpfen umfangreiche Untersuchungen durchzuführen, solange keine weiteren Symptome oder Befunde auf eine schwere Krankheit, die dahinter stecken könnte, hinweisen. Typischerweise treten Wadenkrämpfe gehäuft in der Schwangerschaft auf. Es scheint, dass Wadenkrämpfe vermehrt auftreten, wenn es zu Verschiebungen im Wasser- und Salzhaushalt des Körpers kommt, sei es durch eine Erkrankung (z.B. Durchfall) oder nach starkem Schwitzen (z.B. beim Sport). Auch Medikamente können bei der Entstehung von Wadenkrämpfen eine Rolle spielen, gemäss wissenschaftlichen Untersuchungen wird deren Einfluss jedoch meistens überbewertet. Personen, die an Wadenkrämpfen leiden, sollten versuchen, diese in erster Linie durch nicht medikamentöse Massnahmen zu beeinflussen. Diese kosten nichts und sind eine harmlose Behandlung für ein letztlich harmloses Problem. Empfohlen werden regelmässige Stretchingübungen für die Wadenmuskulatur und eine regelmässige Muskeltätigkeit wie z.B. beim Schwimmen oder Radfahren. Man sollte darauf achten, genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen und Schuhwerk ohne all zu hohe Absätze zu tragen. Die z.B. durch hohe Absätze ausgelöste «Spitzfusstellung» kann auch im Schlaf vermieden werden, in dem entweder in Rückenlage das Bein gegen ein Fussbrett gedrückt wird, sodass das Sprunggelenk etwa im rechten Winkel steht oder in- dem man in Bauchlage die Füsse über das Matratzenende hängen lässt. Mit diesen altbewährten Massnahmen gelingt es in vielen Fällen, die störenden Wadenkrämpfe zu beruhigen. Sollten diese aber nicht ausreichen, stellt sich die Frage, ob man ein Medikament einsetzen soll. Am häufigsten wird Magnesium verwendet, obwohl auch hier nur eine ungenügende Dokumentation der Wirkung existiert. Ein guter Nutzen ist nur bei schwangeren Frauen festgestellt worden. Da das Medikament ausser vereinzelt auftretendem leichten Durchfall gut verträglich ist, sollen angesichts des günstigen Nebenwirkungsprofils dennoch zuerst eingesetzt werden. Bei anderen geprüften Mitteln wie Kalziumpräparaten, Vitaminen (C, B-Komplex und E), muskellockernden Medikamenten und Isoptin sind keine überzeugenden Daten vorhanden, so dass eine Behandlung mit einem dieser Medikamente nicht zu empfehlen ist. Das früher vielfach verwendete Chinin wird heute wegen des ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnisses für diese Anwendung nicht mehr gebraucht. Kann ich mich selbst behandeln oder ist ein Arztbesuch notwendig? Sie sollten immer dann den Arzt aufsuchen, wenn Sie zusätzlich zu den Wadenkrämpfen andere Symptome (z.B. Beinschwellungen, Störungen beim Gehen, zappelnde Beine beim Liegen, Auftreten einer zunehmenden Schwäche der Glieder und ähnliches) feststellen. Sie können Ihren Hausarzt aber auch für eine Beratung besuchen, wenn Sie mit Ihren eigenen Mitteln keine Besserung mehr erreichen oder wenn Sie unsicher sind, ob eine weitere Abklärung notwendig ist und welche Therapie für Sie die geeignetste ist. Dr. med. F. Rohrer |